Bankenpleiten: Was passiert mit Tagesgeld und Festgeld? Eine Chronik
Was passiert eigentlich mit Tagesgeld und Festgeld, wenn eine Bank zahlungsunfähig wird? Historische Bankenpleiten zeigen, dass zwischen der Krise einer Bank, der Schließung des Instituts und der tatsächlichen Entschädigung der Sparer mehrere unterschiedliche Schritte liegen können.
Stand: August 2026 · Schwerpunkt Deutschland und Europa
Für Tagesgeld- und Festgeldanleger ist eine Bankenpleite besonders relevant, denn all diese Gelder sind Bankeinlagen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob eine Bank scheitert, sondern auch, welches Einlagensicherungssystem zuständig ist, wie hoch das Guthaben ist und wann Sparer wieder über ihr Geld verfügen können.
Einlagen sind grundsätzlich bis zu 100.000 Euro je Einleger und Kreditinstitut geschützt.
Was passiert bei einer Bankenpleite? Der Ablauf für Sparer
Eine Bankenpleite führt nicht automatisch von einem Tag auf den anderen zur Auszahlung durch die Einlagensicherung. Vereinfacht kann der Ablauf bei einem klassischen Entschädigungsfall in etwa so aussehen:
Wichtig: Die Sieben-Tage-Frist beschreibt nicht zwingend die gesamte Zeit vom ersten Bankenproblem bis zum Zugriff auf das Geld. Zwischen einer Bankenschließung und der Feststellung des Entschädigungsfalls können zusätzliche Tage oder Wochen liegen.
Gesetzliche Einlagensicherung: Wann muss das Geld ausgezahlt werden?
Für deutsche Einleger ist die Auszahlungsfrist gesetzlich geregelt. Maßgeblich ist das Einlagensicherungsgesetz.
Nach § 14 Absatz 3 des Einlagensicherungsgesetzes muss das zuständige Einlagensicherungssystem die Entschädigungsansprüche grundsätzlich spätestens sieben Arbeitstage nach der Feststellung des Entschädigungsfalls durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erfüllen.
Als Sparer muss man hier keinen gesonderten Antrag stellen.
Für Tagesgeld- und Festgeldanleger ist dabei eine wichtige Unterscheidung zu beachten:
„Sieben Tage nach dem ersten Problem der Bank ist das Geld wieder verfügbar.“
Entscheidend ist die Feststellung des Entschädigungsfalls. Zwischen einer Schließung oder einem Moratorium und dieser Feststellung können zusätzliche Tage oder Wochen liegen.
Das Gesetz sieht außerdem bestimmte Sonderfälle vor, in denen eine Entschädigung aufgeschoben oder ausgesetzt werden kann.
Wie lange dauerte es bis zum Entschädigungsfall?
Die historischen deutschen Fälle zeigen deutliche Unterschiede. In unserer folgenden Auswertung messen wir die Zeit zwischen Schließung beziehungsweise Moratorium und der Feststellung des Entschädigungsfalls.
Ein Tagesgeldkonto ist normalerweise banktäglich verfügbar. Wird die Bank jedoch geschlossen oder die Verfügung über Konten eingeschränkt, ist die tägliche Verfügbarkeit nicht mehr gegeben. Die spätere Entschädigung kann vollständig erfolgen, trotzdem kann zwischenzeitlich Liquidität fehlen.
Bankenpleiten und Entschädigungsfälle: die Chronik
Die folgende Übersicht enthält klassische Bankenschließungen, Entschädigungsfälle und Abwicklungen. Nicht jeder Fall ist rechtlich eine klassische Insolvenz. Als Sparer interessiert hauptsächlich was aus den Einlagen wurde.
| Jahr | Bank | Land | Was geschah? | Was geschah mit Einlagen? | Bezug zu Tagesgeld / Festgeld |
|---|---|---|---|---|---|
| 1974 | Herstatt-Bank | Deutschland | Die Bank wurde geschlossen. Der Zusammenbruch löste eine erhebliche Vertrauenskrise aus und wurde zu einem wichtigen historischen Fall der deutschen Bankengeschichte. | Der Fall ereignete sich noch vor der heutigen europäischen Einlagensicherungsarchitektur. | Zeigt, warum institutioneller Einlegerschutz für klassische Bankeinlagen eine zentrale Rolle spielt. |
| 2001 | Bankhaus Partin | Deutschland | Schließung am 29. Januar 2001; Feststellung des Entschädigungsfalls am 27. April 2001. | Das Entschädigungsverfahren wurde durchgeführt. | Direkter Einlagensicherungsfall. |
| 2001 | Systracom Bank AG | Deutschland | Schließung am 20. April 2001; Entschädigungsfall am 7. Mai 2001. | Das Entschädigungsverfahren ist abgeschlossen. | Praxisbeispiel dafür, dass Schließung und Entschädigungsfall zeitlich auseinanderliegen können. |
| 2002 | Gontard & MetallBank AG | Deutschland | Schließung am 6. Mai 2002; Entschädigungsfall am 21. Mai 2002. | Entschädigungsverfahren durchgeführt. | Realer deutscher Einlagensicherungsfall. |
| 2003 | BFI Bank AG | Deutschland | Schließung am 7. April 2003; Entschädigungsfall am 20. Mai 2003. | Entschädigungsverfahren abgeschlossen. | Zeigt den zeitlichen Unterschied zwischen Schließung und Entschädigungsfeststellung. |
| 2006 | Privatbank Reithinger | Deutschland | Schließung am 2. August 2006; Entschädigungsfall am 14. September 2006. | Das Sicherungssystem wurde aktiviert. | Für Tagesgeld- und Festgeldkunden vergleichbarer Mechanismus: entscheidend ist die Qualifikation als geschützte Einlage. |
| 2007 | Northern Rock | Großbritannien | Liquiditätskrise und spektakulärer Bank Run. Die Bank wurde später verstaatlicht. | Die britische Regierung garantierte die Einlagen. | Besonders relevantes Beispiel für Bankeinlagen und Term Deposits. |
| 2008 | Weserbank AG | Deutschland | Schließung am 8. April 2008; Entschädigungsfall am 16. April 2008. | Entschädigungsverfahren abgeschlossen. | Nur acht Tage zwischen Schließung und Entschädigungsfall. |
| 2008 | Lehman Brothers Bankhaus AG | Deutschland | Schließung am 15. September 2008; Entschädigungsfall am 28. Oktober 2008. | Das Entschädigungsverfahren für die deutsche Bank wurde durchgeführt. | Zeigt die Abgrenzung zwischen Bankeinlagen und anderen Lehman-Anlageprodukten. |
| 2010 | Noa Bank | Deutschland | Schließung am 18. August; Entschädigungsfall am 25. August. | Einlagensicherung wurde aktiviert. | Sieben Tage bis zur Feststellung des Entschädigungsfalls. |
| 2016 | Maple Bank GmbH | Deutschland | Schließung am 6. Februar; Entschädigungsfall am 11. Februar. | Das Entschädigungsverfahren ist abgeschlossen. | Mit fünf Tagen eines der schnellen Beispiele. |
| 2017 | Banco Popular | Spanien | Die EZB erklärte die Bank als ausfallend oder wahrscheinlich ausfallend. Das Institut wurde im Rahmen einer europäischen Abwicklung an Santander übertragen. | Die Lösung schützte die Einleger. Die Bank arbeitete anschließend unter Santander weiter. | Zeigt: Eine gescheiterte Bank muss nicht zwingend in eine klassische Einlegerentschädigung münden. |
| 2018 | Dero Bank AG | Deutschland | Schließung am 8. Februar; Entschädigungsfall am 14. März. | Einlagensicherung wurde aktiviert. | 34 Tage zwischen Schließung und Feststellung des Entschädigungsfalls. |
| 2021 | Greensill Bank AG | Deutschland | Moratorium am 3. März; Feststellung des Entschädigungsfalls am 16. März 2021. | Gesetzlich geschützte Einlagen wurden über die Einlagensicherung abgewickelt. Zusätzlich bestand für zahlreiche Kunden freiwilliger Einlagenschutz. | Einer der wichtigsten modernen deutschen Fälle für Tagesgeld- und Festgeldanleger. |
| 2023 | Silicon Valley Bank | USA | Extrem schneller digitaler Bank Run nach erheblichen Liquiditäts- und Zinsrisiken. | Die US-Behörden entschieden im konkreten Fall, auch nicht regulär versicherte Einlagen zugänglich zu machen. | Zeigt, wie schnell Einlagen heute digital abgezogen werden können. Das US-System ist jedoch nicht direkt auf die EU übertragbar. |
Was bedeutet eine Bankenpleite konkret für Tagesgeld?
Tagesgeld zeichnet sich normalerweise dadurch aus, dass das Guthaben täglich verfügbar ist. Diese tägliche Verfügbarkeit setzt allerdings voraus, dass die Bank den normalen Geschäftsbetrieb aufrechterhält.
Wird eine Bank geschlossen oder ein Moratorium verhängt, können Kunden vorübergehend nicht mehr über ihr Tagesgeld verfügen. Das bedeutet nicht automatisch einen endgültigen Verlust. Für den Anleger kann aber zwischen der Kontosperre und der Entschädigung eine Liquiditätslücke entstehen.
Was bedeutet eine Bankenpleite für Festgeld?
Festgeld ist für eine vereinbarte Laufzeit gebunden. Kommt es während dieser Laufzeit zu einer Bankenpleite, ist nicht entscheidend, ob das Festgeld eigentlich erst in sechs Monaten oder drei Jahren fällig gewesen wäre. Entscheidend ist, ob es sich um eine geschützte Einlage handelt.
Bei der Berechnung einer Entschädigung werden bei grundsätzlich entschädigungsfähigen Einlagen auch bis zum Zeitpunkt des Entschädigungsfalls aufgelaufene Zinsansprüche berücksichtigt, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Ein hoher Zinssatz sollte nicht allein betrachtet werden. Zusätzlich können Sitzland, zuständiges Einlagensicherungssystem, Laufzeit, Sicherungsgrenze und Bonität des Staates berücksichtigt werden.
100.000 Euro bei einer Bank oder verteilt auf mehrere Banken?
Die gesetzliche Sicherungsgrenze bezieht sich grundsätzlich auf den Einleger und das Kreditinstitut. Wer größere Beträge verteilt, sollte deshalb darauf achten, ob tatsächlich unterschiedliche Kreditinstitute hinter den Angeboten stehen.
| Situation | Guthaben | Vereinfachte Einordnung |
|---|---|---|
| Eine Bank | 50.000 € | Vollständig innerhalb der regulären 100.000-€-Grenze |
| Eine Bank | 100.000 € | Reguläre Sicherungsgrenze vollständig ausgeschöpft |
| Eine Bank | 150.000 € | 50.000 € oberhalb der regulären gesetzlichen Grenze |
| Eine Bank | 250.000 € | 150.000 € oberhalb der regulären gesetzlichen Grenze |
| Zwei rechtlich getrennte Banken | 2 × 100.000 € | Grundsätzlich zwei getrennte Sicherungsgrenzen möglich |
| Drei rechtlich getrennte Banken | 3 × 100.000 € | Grundsätzlich drei getrennte Sicherungsgrenzen möglich |
Vereinfachte Darstellung. Sonderfälle, Gemeinschaftskonten, vorübergehend erhöhte Deckungssummen und zusätzliche freiwillige Sicherungssysteme können zu anderen Ergebnissen führen.
Warum ausländisches Tagesgeld und Festgeld genauer betrachtet werden sollte
Viele attraktive Tagesgeld- und Festgeldangebote für deutsche Sparer stammen von Banken mit Sitz in anderen europäischen Staaten.
In diesem Fall gehört die Bank grundsätzlich dem Sicherungssystem ihres Sitzlandes an. Die europäischen Regeln harmonisieren den Schutz gedeckter Einlagen bis 100.000 Euro, die konkrete Abwicklung erfolgt jedoch über das jeweils zuständige nationale System.
Für sicherheitsorientierte Anleger kann deshalb zusätzlich interessant sein, wie die wirtschaftliche Stärke des betreffenden Staates eingeschätzt wird.
Ratings der Länder – Bonität von Staaten im Vergleich
Unsere Übersicht stellt die Länderratings europäischer Staaten von S&P, Moody’s und Fitch gegenüber.
Banco Popular: Bankenabwicklung statt klassischer Entschädigung
Nicht jede Bankenkrise führt dazu, dass ein Einlagensicherungsfonds Geld an die Sparer überweisen muss. Banco Popular liefert dafür ein anschauliches Beispiel.
Die Bank wurde 2017 als ausfallend beziehungsweise wahrscheinlich ausfallend eingestuft und anschließend im Rahmen einer europäischen Abwicklung auf Banco Santander übertragen.
Die Lösung schützte die Einleger. Die Bank konnte unter dem Dach der Santander-Gruppe weitergeführt werden.
Eine Bank kann wirtschaftlich scheitern, ohne dass der Kunde zwingend eine klassische Auszahlung aus dem Einlagensicherungsfonds erlebt. Eine Bank kann beispielsweise verkauft oder abgewickelt werden, während die Einlagen weitergeführt werden.
Northern Rock: Was passiert bei einem echten Bank Run?
Northern Rock wurde 2007 zum Symbol eines klassischen Bank Runs. Nachdem Zweifel an der Finanzierung der Bank aufgekommen waren, versuchten zahlreiche Kunden gleichzeitig, ihre Einlagen abzuziehen.
Die britischen Behörden garantierten schließlich die Einlagen. Die Garantie bezog sich auch auf bestimmte Term Deposits.
Der Fall zeigt einen wichtigen Mechanismus: Eine Bank hält nicht sämtliche Kundeneinlagen jederzeit als Bargeld bereit. Wenn sehr viele Kunden gleichzeitig ihre Guthaben abziehen wollen, kann eine Liquiditätskrise eskalieren.
Greensill Bank: Warum der Fall für deutsche Sparer besonders interessant ist
Die Greensill Bank gehört zu den jüngsten und für deutsche Tagesgeld- und Festgeldanleger besonders relevanten Fällen.
Am 3. März 2021 wurde ein Moratorium verhängt. Am 16. März wurde der Entschädigungsfall festgestellt. Damit lagen zwischen beiden Ereignissen 13 Tage.
Der Fall zeigt praktisch, dass Einlagensicherung nicht nur eine theoretische gesetzliche Konstruktion ist. Sie kann tatsächlich benötigt werden, wenn eine Bank ihre Einlagen nicht mehr zurückzahlen kann.
Wie stark sind die europäischen Einlagensicherungssysteme finanziert?
Nach Angaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA verfügten die Einlagensicherungssysteme der EU Ende 2025 zusammen über rund 85 Milliarden Euro an verfügbaren Finanzmitteln.
Gedeckte Einlagen in der EU beliefen sich gleichzeitig auf rund 9,1 Billionen Euro.
Die Sicherungssysteme werden über Beiträge der Kreditinstitute finanziert. Zusätzlich existieren Mechanismen zur Beschaffung weiterer Mittel, wenn diese erforderlich werden.
Unsere Einordnung: Was ist für Sparer besonders wichtig?
Diesen Abschnitt kannst du vollständig selbst bearbeiten.
Hier kannst du zum Beispiel beschreiben, ob du bei Tagesgeldbeträgen oberhalb von 100.000 Euro mehrere Banken bevorzugst, welche Rolle du der Länderbonität beimisst oder wie du besonders hohe Auslandszinsen gegenüber der Einlagensicherung bewertest.
Eigene Auswertung: Schließung ist nicht gleich Entschädigung
Eine interessante Erkenntnis aus der deutschen Chronik ist die Dauer zwischen Bankenschließung und Feststellung des Entschädigungsfalls.
Allein bei den oben dargestellten Beispielen reicht diese Zeitspanne von fünf Tagen bei der Maple Bank bis zu 34 Tagen bei der Dero Bank.
Für Sparer bedeutet das: Die gesetzliche Frist für die Auszahlung gedeckter Einlagen darf nicht mit der gesamten möglichen Zeitspanne zwischen dem Beginn einer Bankenschließung und dem tatsächlichen Zugang zum Geld verwechselt werden.
In ausgewählten dokumentierten deutschen Entschädigungsfällen lagen zwischen Bankenschließung beziehungsweise Moratorium und Feststellung des Entschädigungsfalls zwischen 5 und 34 Tagen. Erst anschließend greift die gesetzliche Auszahlungsfrist nach § 14 Abs. 3 EinSiG.
Methodik der Bankenpleiten-Chronik
Die Chronik berücksichtigt historische Bankenschließungen, Entschädigungsfälle und Abwicklungen. Dabei wird bewusst zwischen einer klassischen Insolvenz, einer aufsichtsrechtlichen Schließung und einer Bankenabwicklung unterschieden.
Für deutsche Entschädigungsfälle werden insbesondere Angaben der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken berücksichtigt. Für europäische Abwicklungsfälle werden Veröffentlichungen europäischer Aufsichts- und Abwicklungsbehörden herangezogen.
Quellen und Datenstand
Wesentliche Quellen:
- Einlagensicherungsgesetz (EinSiG), insbesondere § 14
- Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB)
- European Banking Authority (EBA)
- Single Resolution Board (SRB)
- Bank of England
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Datenstand: August 2026
Die Übersicht dient ausschließlich der allgemeinen Information. Sie stellt keine Anlageberatung dar. Historische Bankenpleiten und Entschädigungsfälle erlauben keine Garantie über den Ablauf eines zukünftigen Bankenfalls.