Sicher sparen in Deutschland – einfach erklärt
Wer neu in Deutschland lebt, muss sich zunächst mit vielen ungewohnten Dingen beschäftigen. Dazu gehört auch das deutsche Bankensystem. Ein Girokonto oder Basiskonto wird für den Alltag benötigt: zum Beispiel für Gehalt, Sozialleistungen, Miete oder Überweisungen.
Doch was passiert, wenn am Monatsende Geld übrig bleibt oder bereits eine kleine finanzielle Rücklage vorhanden ist?
Dann kann ein Tagesgeldkonto interessant sein. Es dient nicht dem täglichen Bezahlen, sondern dem sicheren Aufbewahren von Geld. Auf das Guthaben zahlt die Bank in der Regel Zinsen.
Dieser Ratgeber erklärt, wie Tagesgeld funktioniert, welche Voraussetzungen Geflüchtete beachten sollten und was bei Sozialleistungen, Steuern und der Sicherheit des Geldes wichtig ist.

1. Was ist ein Tagesgeldkonto?
Ein Tagesgeldkonto ist ein Bankkonto zum Sparen.
Anders als bei einem Giro- oder Basiskonto wird es normalerweise nicht dafür verwendet, im Supermarkt zu bezahlen, die Miete zu überweisen oder Geld am Geldautomaten abzuheben.
Stattdessen wird Geld, das momentan nicht benötigt wird, auf das Tagesgeldkonto überwiesen.
Dafür zahlt die Bank Zinsen.
Ein wichtiger Vorteil gegenüber vielen längerfristigen Sparformen ist die Verfügbarkeit: Das Guthaben ist grundsätzlich nicht für mehrere Jahre fest angelegt. Möchten Sie das Geld wieder verwenden, können Sie es normalerweise auf Ihr hinterlegtes Referenzkonto zurücküberweisen.
Einfaches Beispiel
Sie haben 2.000 Euro auf Ihrem Girokonto und möchten 1.000 Euro als Reserve zurücklegen.
Die 1.000 Euro überweisen Sie auf ein Tagesgeldkonto.
Dort bleibt das Geld liegen und wird verzinst. Benötigen Sie später beispielsweise 300 Euro für eine unerwartete Rechnung, können Sie den Betrag wieder auf Ihr Girokonto überweisen.
2. Tagesgeldkonto und Basiskonto sind nicht dasselbe
Diese Unterscheidung ist für Geflüchtete besonders wichtig.
Ein Basiskonto ermöglicht die Teilnahme am normalen Zahlungsverkehr. Damit können beispielsweise Überweisungen ausgeführt, Lastschriften bezahlt und Zahlungseingänge empfangen werden.
Ein Tagesgeldkonto ist dagegen ein Sparkonto.
| Basiskonto/Girokonto | Tagesgeldkonto |
|---|---|
| Geld empfangen | Geld sparen |
| Rechnungen bezahlen | Zinsen erhalten |
| Überweisungen ausführen | normalerweise keine normalen Zahlungen |
| häufig Karte vorhanden | normalerweise keine Zahlungskarte |
| für den Alltag | für Rücklagen |
| Zahlungsverkehr | Sparen |
Für ein Basiskonto besteht unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein besonderer Zugangsanspruch.
Ein vergleichbarer allgemeiner Anspruch auf die Eröffnung eines Tagesgeldkontos besteht nicht. Eine Bank kann daher eigene Voraussetzungen für die Kontoeröffnung festlegen.
3. Können Geflüchtete ein Tagesgeldkonto eröffnen?
Grundsätzlich kann auch ein geflüchteter Mensch ein Tagesgeldkonto eröffnen.
Ob eine konkrete Bank einen Antrag akzeptiert, hängt jedoch unter anderem von der Identitätsprüfung, dem Aufenthaltsstatus, dem Wohnsitz und den jeweiligen Geschäftsbedingungen der Bank ab.
Deshalb kann es vorkommen, dass eine Person problemlos ein Basiskonto besitzt, eine bestimmte Bank aber trotzdem kein Tagesgeldkonto für sie eröffnet.
Eine Ablehnung bei einer Bank bedeutet wiederum nicht automatisch, dass keine andere Bank ein Tagesgeldkonto anbieten kann.
4. Welche Unterlagen können benötigt werden?
Die Anforderungen unterscheiden sich von Bank zu Bank.
Typischerweise können unter anderem folgende Angaben oder Dokumente benötigt werden:
- gültiger Identitätsnachweis,
- aktuelle Anschrift,
- steuerliche Identifikationsnummer,
- Angaben zur Steueransässigkeit,
- Mobiltelefonnummer und E-Mail-Adresse,
- sowie ein Giro- oder Basiskonto als Referenzkonto.
Je nach persönlicher Situation und Bank können weitere Nachweise erforderlich sein.
Vor der Antragstellung empfiehlt es sich deshalb, die Voraussetzungen der jeweiligen Bank zu prüfen.
5. Was ist ein Referenzkonto?
Der Begriff Referenzkonto ist bei Tagesgeld besonders wichtig.
Viele Tagesgeldkonten funktionieren nicht wie ein normales Girokonto. Geld wird stattdessen zwischen dem Tagesgeldkonto und einem vorher festgelegten Girokonto bewegt.
Dieses Girokonto bezeichnet man als Referenzkonto.
Ein typischer Ablauf sieht so aus:
Gehalt oder Sozialleistung
↓
Girokonto oder Basiskonto
↓ Geld sparen
Tagesgeldkonto
Wenn das Geld später benötigt wird:
Tagesgeldkonto
↓ Geld zurücküberweisen
Girokonto oder Basiskonto
Von dort kann das Geld anschließend beispielsweise für eine Rechnung oder einen Einkauf verwendet werden.
Das Referenzkonto ist damit gewissermaßen die Verbindung zwischen dem normalen Zahlungsverkehr und
dem Sparkonto.
6. Wann kann Tagesgeld sinnvoll sein?
Nicht jeder benötigt sofort ein Tagesgeldkonto.
Wer momentan kaum finanzielle Reserven besitzt und das gesamte verfügbare Geld für Miete, Lebensmittel und andere notwendige Ausgaben benötigt, hat durch ein zusätzliches Sparkonto möglicherweise zunächst wenig Nutzen.
Interessanter wird Tagesgeld, wenn regelmäßig Geld übrig bleibt.
Beispielsweise für:
- einen Notgroschen,
- unerwartete Reparaturen,
- eine neue Waschmaschine,
- einen späteren Umzug,
- Familienausgaben,
- eine größere Anschaffung,
- oder einfach als finanzielle Reserve.
Dabei sollte immer ausreichend Geld für die laufenden Ausgaben auf dem Giro- oder Basiskonto verbleiben.
7. Ist Geld auf einem Tagesgeldkonto sicher?
Bei der Auswahl eines Tagesgeldkontos sollte nicht ausschließlich auf den Zinssatz geachtet werden.
Entscheidend ist auch, bei welcher Bank das Geld tatsächlich liegt und welche Einlagensicherung gilt.
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Einlagen regelmäßig bis zu 100.000 Euro je Kundin oder Kunde und Institut.
Gerade bei Angeboten im Internet sollte deshalb geprüft werden:
Welche Bank führt das Konto?
In welchem Land befindet sich die Bank?
Welches Einlagensicherungssystem ist zuständig?
Wer ist tatsächlich Empfänger meiner Überweisung?
Ein besonders hoher Zinssatz allein ist kein ausreichendes Qualitätsmerkmal.
8. Vorsicht vor Betrug
Menschen, die das deutsche Bankensystem noch nicht gut kennen, können ein interessantes Ziel für Betrüger sein.
Misstrauisch sollten Sie beispielsweise werden, wenn Ihnen jemand außergewöhnlich hohe und angeblich völlig risikolose Renditen verspricht oder Sie unter Zeitdruck zu einer Überweisung auffordert.
Besonders wichtig
Geben Sie PIN und TAN niemals an andere Personen weiter.
Eine Bank benötigt nicht Ihre TAN, um Ihnen Zinsen gutzuschreiben.
Vorsicht ist ebenfalls angebracht, wenn vermeintliche Bankmitarbeiter über Messenger-Dienste Geldüberweisungen verlangen oder jemand anbietet, gegen eine Gebühr ein „besonderes Sparkonto“ für Sie einzurichten.
Prüfen Sie bei einem unbekannten Angebot zunächst, mit welchem Unternehmen Sie tatsächlich einen Vertrag abschließen.
9. Tagesgeld und Sozialleistungen
Dieser Punkt ist besonders wichtig.
Geld wird nicht dadurch unsichtbar, dass es vom Girokonto auf ein Tagesgeldkonto überwiesen wird.
Tagesgeldguthaben ist weiterhin Vermögen.
Welche Auswirkungen dieses Vermögen auf Sozialleistungen hat, hängt von der jeweiligen Leistung und der persönlichen Situation ab.
Bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende werden Sparguthaben grundsätzlich als Vermögen berücksichtigt; auch Zins- und Kapitalerträge können als Einkommen relevant sein. Die Regeln wurden zum 1. Juli 2026 geändert.
Für Personen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, gelten wiederum eigene Regeln. § 7 AsylbLG enthält Vorschriften zur Berücksichtigung von Einkommen und verfügbarem Vermögen.
Deshalb sollte niemand allein aufgrund eines allgemeinen Internetartikels davon ausgehen, dass ein bestimmter Sparbetrag für seine Sozialleistung ohne Bedeutung ist.
Wer Sozialleistungen erhält und eine größere Rücklage besitzt oder aufbauen möchte, sollte sich bei der zuständigen Behörde oder einer qualifizierten Beratungsstelle über die für ihn geltenden Regeln informieren.
10. Zinsen und Steuern
Zinsen aus einem Tagesgeldkonto sind Kapitalerträge.
In Deutschland gibt es dafür den Sparer-Pauschbetrag.
Dieser beträgt derzeit grundsätzlich 1.000 Euro pro Person beziehungsweise 2.000 Euro bei gemeinsam veranlagten Ehegatten/Lebenspartnern. Ein Freistellungsauftrag kann bei der Bank erteilt werden. Dafür wird unter anderem die steuerliche Identifikationsnummer benötigt.
Einfaches Beispiel
Sie legen 5.000 Euro zu einem angenommenen Zinssatz von 2,5 Prozent für ein Jahr an.
Dann ergeben sich rechnerisch:
5.000 € × 2,5 % = 125 € Zinsen
Ob und wie darauf tatsächlich Steuer anfällt, hängt von der persönlichen steuerlichen Situation und beispielsweise von bereits genutzten Freistellungsaufträgen ab.
Besondere Fragen können sich ergeben, wenn eine Person zusätzlich in einem anderen Staat steuerlich ansässig ist.
11. Was ist ein Freistellungsauftrag?
Ein Freistellungsauftrag ist eine Mitteilung an die Bank.
Damit kann die Bank Kapitalerträge bis zum angegebenen Betrag im Rahmen des verfügbaren Sparer-Pauschbetrags ohne den sonst vorgesehenen Steuerabzug behandeln.
Wer Konten bei mehreren Banken besitzt, sollte darauf achten, dass die insgesamt erteilten Freistellungsaufträge den verfügbaren Höchstbetrag nicht überschreiten.
Für Menschen, die erstmals in Deutschland sparen, ist dieser Begriff häufig neu. Deshalb lohnt es sich, bei der Kontoeröffnung darauf zu achten.
12. Was passiert, wenn ich Deutschland wieder verlasse?
Ein Umzug in ein anderes Land kann Auswirkungen auf das Tagesgeldkonto haben.
Informieren Sie Ihre Bank insbesondere über eine neue Anschrift und gegebenenfalls eine veränderte steuerliche Ansässigkeit.
Außerdem sollte geprüft werden, ob die Bank das Tagesgeldkonto für Personen mit Wohnsitz im neuen Land weiterhin führt.
Wird auch das deutsche Referenzkonto geschlossen, sollte vorher geklärt werden, wohin das Guthaben des Tagesgeldkontos überwiesen werden kann.
13. Drei Beispiele aus dem Alltag
Fall 1: Noch keine Rücklage
Ahmed besitzt ein Basiskonto. Nach Miete, Lebensmitteln und anderen notwendigen Ausgaben bleibt momentan kaum Geld übrig.
Ein zusätzliches Tagesgeldkonto ist für ihn nicht dringend notwendig. Wichtiger ist zunächst, die laufenden Ausgaben sicher bezahlen zu können.
Fall 2: Jeden Monat etwas sparen
Olena arbeitet und kann jeden Monat ungefähr 150 Euro zurücklegen.
Nach einiger Zeit befinden sich 2.500 Euro Reserve auf ihrem Girokonto.
Sie möchte das Geld nicht ausgeben, aber im Notfall darauf zugreifen können. Ein Tagesgeldkonto kann für diese Rücklage grundsätzlich geeignet sein.
Fall 3: Familie mit Sozialleistungen
Eine Familie hat mehrere Tausend Euro angespart und erhält gleichzeitig Sozialleistungen.
Bevor das Geld auf ein Tagesgeldkonto übertragen wird, sollte geklärt werden, welche Vermögens- und Einkommensregeln für die konkrete Sozialleistung gelten.
Das Tagesgeldkonto verändert nicht automatisch die sozialrechtliche Behandlung des vorhandenen Geldes.
14. Checkliste vor der Eröffnung
Bevor Sie ein Tagesgeldkonto eröffnen, können Sie diese Punkte prüfen:
✓ Habe ich bereits ein Giro- oder Basiskonto?
✓ Akzeptiert die Bank meine Dokumente?
✓ Wie hoch ist der Zinssatz und wie lange gilt er?
✓ Gilt der Zins nur für Neukunden?
✓ Welche Bank verwahrt mein Geld?
✓ Welche Einlagensicherung gilt?
✓ Kann ich jederzeit auf mein Geld zugreifen?
✓ Benötige ich einen Freistellungsauftrag?
✓ Erhalte ich Sozialleistungen und muss ich Guthaben oder Zinsen angeben?
✓ Verstehe ich alle Bedingungen des Kontos?
Wenn wichtige Fragen ungeklärt sind, sollte nicht vorschnell Geld überwiesen werden.
Fazit: Erst verstehen, dann sparen
Ein Tagesgeldkonto kann auch für Geflüchtete eine einfache Möglichkeit sein, finanzielle Rücklagen getrennt vom Geld für den täglichen Lebensunterhalt aufzubewahren und dafür Zinsen zu erhalten.
Es ist jedoch etwas anderes als ein Basiskonto.
Während das Basiskonto den alltäglichen Zahlungsverkehr ermöglicht, dient Tagesgeld hauptsächlich dem Sparen. Für die Eröffnung eines Tagesgeldkontos gelten zudem die Bedingungen der jeweiligen Bank.
Besonders wichtig sind drei Punkte:
Sicherheit: Prüfen Sie Bank und Einlagensicherung.
Sozialleistungen: Guthaben und Zinsen können sozialrechtlich relevant sein.
Steuern: Informieren Sie sich über Sparer-Pauschbetrag und Freistellungsauftrag.
Wer diese Grundlagen verstanden hat, kann wesentlich besser entscheiden, ob ein Tagesgeldkonto zur eigenen finanziellen Situation passt.
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Sozialberatung. Bei Fragen zu Sozialleistungen sollte die zuständige Behörde oder eine qualifizierte Beratungsstelle kontaktiert werden.